Aufforderungscharakter Beispiel Essay

Der bewusste Wunsch nach Liebe, ist oft ein genutzter Weg, um ein fehlendes, tiefes, innerliches Ziel zu erreichen. Der gleichstarke Wunsch nach Unabhängigkeit ist das konträre Ziel im zwischenmenschlichen miteinander. Konkret ist dieser Aspekt als absolute Schwierigkeit anzusehen. Die vorherrschende Tendenz, das eine oder das andere Ziel zu verfolgen hängt sowohl von den äußeren Umständen, sowie von der individuellen Begabung und des emotionalen Geistes als eigenständige Struktur ab, welches dieser Ziele im Leben eines jeden von uns, den Vorrang bekommen soll.

Wenn persönliche Unabhängigkeit, Freiheit durch gesichertes Wissen, anderen Menschen bewusst vorenthalten wird, zum eigenen Vorteil eingesetzt wird, liegt es an der Lebensauffassung, der Lebenskultur des einzelnen Menschen, seinem Lebensinhalt.

  Liebe als klares Ziel anzustreben erfordert einen intensiven, aufrichtigen, ehrlichen Kontakt zu sich selbst. Erst diese Konstellation löst im Kontext alle relevanten Dinge unseres Lebens. Wohingegen das Bemühen, das Streben nach Unabhängigkeit, ein Lockern des Kontaktes bedeutet, und der Festigung der eigenen Position dient. Der Wunsch nach Anerkennung kann durchaus als normale Bestrebung eingeschätzt werden. Dabei ist es egal ob es sich um körperliche Kraft, Geschicklichkeit, oder um geistige Fähigkeiten, wie Reife und Weisheit handelt. Auch das Streben zur Realisierung einer Idee, Vision darf diese Einordnung finden. Dieses Streben entsteht aus intuitiver innerer Kraft zwischen Herz und Kopf. Sie ist eine aktiv lebendige Denkweise. Allein diese führt zum nützlichen Handeln. Damit wir die Ursachen und Wirkungen besser verstehen, ist geistiges Bewusstsein notwendig, um jede Unwissenheit, Isolation wirksam zu begegnen. Um uns diesen Zusammenhang erspüren zu lassen, brauchen wir eine Verfeinerung dieser Fähigkeit im Alltäglichen. Dieser wesentliche Teil ist von Unterscheidungsvermögen, wie uneingeschränkter Zeit abhängig. Mit diesem Respekt kann jeder dem Leben der beste Freund sein.

Realistisch ist, es gibt Denkstrukturen die auf eine Form von Würdigung schließen lassen. Das auf mentaler Grundlage gewünschte Gefühl für Sicherheit, erhält eine Art Anerkennung.

Bleiben persönliche Erwartungen auf der Strecke, wie Befriedigung durch lobende Zuneigung, entwickeln sich Beweggründe von Bedrückung oder Gefühle von Ungeborgenheit und Unsicherheit. Oftmals Selbstzweifel einhergehnend mit Empfindungen der Minderwertigkeit und Angst.

Diese Entstehung entwickelt sich massiv in der frühen Kindheit, tiefgründiger bereits während der Schwangerschaft. Diese Umstände veranlassen den Menschen, seine Lebensenergie zu verdrängen, zu unterdrücken. Der sinnerfüllende innerseelische Impuls gerät ins stoppen. Ein wesentlicher Faktor wird dann sehr deutlich. Durch geglaubt, gedachten nachvollziehbaren Versagens, durch oben genannte Denkformen, kommt von vornherein ein Gefühl der eigenen Fragwürdigkeit auf. Dieser innerliche Konflikt ist erheblich und kann selten geäußert werden, weil er anfänglich als eigener Widerstand gar nicht erkannt wird. Darunter leidet das Selbstbewusstsein und kann zu einer chronischen Verteidigungshaltung führen. Daraus resultiert eine überwertige Ich- Abgrenzung, welche zur Ökonomie des trotzigen Eigenwillens führt. Sie behindert die Möglichkeit der freien Selbstbestimmung, einer von Herzen stammenden Lebensenergie. Auf Dauer führt das zu einer unerträglichen Charakter- Panzerung. Diesem eigenen innerlichen Druck ausgesetzt, lässt sich unterdrückte Feindseligkeit, Hass, Wut, Aggression ableiten. Ohne Zweifel wird dadurch die mitmenschliche Verbundenheit beschränkt. Das Vermeiden dieser offenen Bezogenheit schafft Distanz. Ein ganz arteigener Ehrgeiz wird aktiviert, der als Kanal dienen soll, um weitere >>geglaubte Niederlagen<< zu verhindern, um sich zu schützen. Dieser erstrebenswerte Schutz dient der bekennenden wirklichen Hilflosigkeit. Diese ist ihrerseits ein Grundelement der Angst. Ein Sich-Absichern wird vor das Erleben, den lebendigen Impulsen geschoben. Je nach Intellekt wird durch gekonnte Rationalisierung alles Unkontrollierbare abgeschirmt, versachlicht. Am besten wäre eine Tarnkappe wie im Märchen, um anonym am Leben anderer teilzunehmen. Dennoch gleichzeitig ins Leben anderer eingreifen zu können, ohne etwas von sich preisgeben zu müssen. Jeder von uns, kann diese Menschen lange kennen, ohne sie tatsächlich zu kennen. Haben wir heute zu ihnen einen geglaubten guten Kontakt, verhalten sie sich morgen so, als hätten sie uns nie gesehen. Je vertrauter der Kontakt, umso schroffer wenden sie sich plötzlich von uns ab, ohne Mitgefühl, mitunter sogar in feindseliger Verletzung. Jedes kleinste Zeichen von Hilflosigkeit oder gar Schwäche ihrerseits, soll jede Situation verhindern, die normal, durchaus gewöhnlich ist: z.B. etwa nach einen Weg zu fragen oder gar, sich diesen zeigen zu lassen. Einen einzigen Rat oder Hilfe anzunehmen, zeitweise irgendwie nachzugeben, einfach zuzustimmen entwickelt sich mit den Jahren als Realität. Doch sie haben sich an das Motto gewöhnt: stell mir keine Fragen, dann erzähl ich dir keine Lügen. Oft hat auch die Einstellung Vorherrschaft: es kann doch nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf. Diese an Perfektion grenzende Lebenseinstellung dient allein dem Ausweichen des wirklichen Lebens, und zunehmend isoliert er sich mehr und mehr. Seine Angst kontrolliert er besonders da, wo jemand ihm oder wo er jemandem nahe kommt. Zuneigung, Sympathie, Zärtlichkeit, Liebe lassen uns Menschen näher kommen. Doch das erlebt er als besonders gefährlich. Das erklärt uns, warum er in solchen Situationen abweisend wird, den anderen abrupt wegstößt.

      Durch zunehmende Lücken in der Erfahrung verstärkt sich mit den Jahren eine Unsicherheit. Ganz sicher wird der wirkliche innere Protest gegen Hilflosigkeit nicht ständig in seiner ganzen Intensität wirken. Er entwickelt sich kontinuierlich allmählich immer wieder stärker. Je mehr Hemmungen an einer konstruktiven Entwicklung gefühlt werden, somit in Wirklichkeit auch vorhanden sind, umso ängstlicher wird alles vermieden, was auch nur entfernt den Eindruck von Schwäche macht. Auch dient dieses Verhalten als Schutz gegen die Gefahr, sich selbst für unbedeutend zu halten, oder so angesehen zu werden. Ein starres und völlig irrationales Ideal veranlasst diesen Menschen zu glauben, dass Schwäche nicht nur Gefahr bedeutet, sondern auch eine persönliche Schande. Er selbst klassifiziert durch intelligente Vorurteile die Mitmenschen in >>Starke<< und >> Schwache <<. Seine Bewunderung liegt dabei zweifelsfrei bei den ersteren, unbewusste Verachtung für die letzteren. Die Betrachtungsweise für das Schwache geht ins Extreme. Er meidet mehr oder weniger den Kontakt mit Menschen, welche mit ihm übereinstimmen, oder auf seine Wünsche eingehen, weil diese selbst Hemmungen haben, ihre Gefühle nicht so beherrschen, und nicht wie er in allen Lebenssituationen ein gleichgültiges Gesicht machen können. Gleichzeitig verachtet er genau diese Eigenschaften in sich selbst. Er empfindet tiefste Verzweifelung beim Erkennen seines Charakters. Daher stammt ein Großteil an Selbstmissachtung. Doch soll diese Tatsache vor jedermann geheim gehalten werden. Auch verachtet sich dieser Mensch in erster Linie durch die Erkenntnis, nicht allein damit fertig zu werden.

Die besondere Form die sein Denken und Handeln annimmt hängt davon ab, welche Schwäche ganz konkret befürchtet und verdrängt werden soll. In dieser Weise können solche Empfindungen zu Aggressionen führen, welche sonst im Leben niemals ausgelebt wurden. Es entsteht Konkurrenz und Rivalität mit anderen, weil geglaubt wird, dass ihm das was er haben möchte, ihm wegnehmen wird. Gleich dem Grundsatz, wer wenig hat, dem wird das Wenige auch noch genommen werden. So werden andere zum Widerstand und als Störenfriede erlebt. Seine Aggressionen sind gar nichts anderes als ein Mittel zur Beseitigung dieses innerlichen Widerstandes, in der Verfolgung seiner angesteuerten Ziele. Dabei kann es sogar vorkommen, dass bereits jeder andere von vornherein als Rivale erlebt und zum Ziel von Aggressionen gemacht wird. Selten wissen diese Menschen genau, ob das was sie denken, fühlen oder tun - nur in ihnen selbst existiert oder auch in der äußeren Wirklichkeit. Man ist geneigt zu sagen, ihm fehlt eine Orientierungshilfe. Er schwankt in der Beurteilung seiner Erlebnisse und Eindrücke zwischen Zweifel, ob er sie als Wirklichkeit hinaus verlegen kann oder ob sie nur seine Einbildung sind: Schaut mich der andere wirklich so spöttisch an, oder bilde ich mir das ein? Recht komisch hat sich der Chef mir gegenüber heute verhalten- hat er etwas gegen mich, war er anders als sonst- oder meine ich das nur? Stimmt etwas nicht an mir, dass die Leute mich so komisch ansehen? Von diesem immer wachen Misstrauen der Eigenbezogenheit kann man sich leicht vorstellen, wie quälend und zutiefst beunruhigend es doch sein muss, wenn sich daraus ein Dauerzustand entwickelt.

Aus diesem Gefühl der Unsicherheit heraus potenziert sich Misstrauen, dieses ist Ursache, wie auch Folge für sein stark entwickeltes intellektuelles Bewusstsein. So wird eine von den Gefühlen abgelöste Erlebniswelt produziert. Die Resultate seines Denkens sollen so seinen Erwartungen entsprechen, auf die allein er sich genau verlassen will. Sie wenden sich unaufhörlich seiner exakten Logik zu, die eine Abwendung vom subjektiven, ideellen Erleben ermöglichen soll.

       Durch die Bereitschaft, den festenWillen, die Fähigkeit, sich selbst geeignet zu bewerten oder dies zumindest zu versuchen, kann eine neue Lebensweise durch Erkenntnis entwickelt werden. Dann gelingt es viel besser die ständig fließenden Lebenssituationen, wie aus einer Vogelperspektive zu beleuchten. Erst dadurch wird es möglich, größere Zusammenhänge zu erblicken. Vor allem wird die eigene Positionierung, sich zum Zentrum aller Dinge gemacht zu haben, viel klarer erkannt und auch anerkannt. Alte Verstrickungen die keine Bereinigung fanden, bedeuten ein Steckenbleiben. Sie führen und sind Ursache weiterer Schwächungen. Die häufigsten Schwächungen entstehen durch verzerrte Übertreibungen, wie: das ist unerträglich, du musst das doch endlich akzeptieren, du bist so grauenhaft- verletzend. Schrecklich furchtbar und peinlich. Ich will gar nicht vernünftig werden usw... In den seltensten Fällen geht es um Sein oder Nichtsein.

Wenn unser Maßstab der Betrachtungen, nur durch den eigenen Blickwinkel erfolgt, enthält er grundsätzlich manifeste Übertreibungen. Dementsprechend werden unsere Gefühle beeinflusst. Es entstehen starke Wut- oder Grollgefühle, welche nicht in der realen Situation wurzeln; denn sie sind Folge eigener übertriebener Bewertung. Auch hier kann es letztlich nur einen Weg geben.

Sie basiert

Angsterleben
Im Erleben der Angst ist die Erwartung der Bedrohung und die Ungewißheit über Art, Ausmaß und Zeitpunkt der Gefahr kennzeichnend. Dabei werden gefühlsmäßige und kognitive Vorgänge unterschieden. Gefühlsmäßige beziehen sich vorwiegend auf Körperempfindungen wie Spannung, Enge, quälende Unruhe, aber auch Verzweiflung, Entsetzen und Grauen. Kognitive Merkmale sind Befürchtungen und Sorgen, die sich mit Zwängen (Zwang) und Zweifeln sowie unkontrollierbar erscheinenden Ereignissen befassen. Je nach dem Inhalt solcher Befürchtungen wird dann beispielsweise von Sozialangst, Leistungsangst oder Katastrophenangst gesprochen. Subjektive Vorgänge, die mit Fragebögen erkundet werden, ergeben im allgemeinen verschiedene, voneinander relativ unabhängige Faktoren der Angst. Cattell bezeichnet sie als hoher andauernder Spannungszustand, Neigung zu Schuldgefühlen und Besorgtheit, geringe emotionale Stabilität, geringes Vertrauen in die eigene Selbstkontrolle, Mißtrauen, Eifersucht und Abwehrhaltung sowie Schüchternheit und allgemeine Empfindlichkeit. Unterschieden wurde auch zwischen vorübergehender Angst und überdauernder Ängstlichkeit. Ob und in welcher Stärke bestimmte Ereignisse Angst auslösen, ist demzufolge von der allgemeinen Bereitschaft, ängstlich zu sein, abhängig.

Körperliche Merkmale, Motorik und Ausdruck
Körperlich zeigen Furcht und Angst Veränderungen in allen Organen. Besonders betroffen sind Teile des autonomen und des endokrinen Systems (Nervensystem, Psychoneuroendokrinologie). Der Organismus ist auf Abwehr eingestellt. Muskelspannung, Puls und Blutdruck steigen an, die Atmung wird beschleunigt, die periphere Durchblutung sinkt, die Pupillen erweitern sich, die Schweißabsonderung ist erhöht, und die Hautoberfläche kühlt ab. Es zeigen sich jedoch große interindividuelle Unterschiede in den Reaktionen. Während beispielsweise die eine Person sich muskulär stark verkrampft, reagiert eine andere mit Beschleunigung der Atemtätigkeit. Es scheint also jede Person ihr eigenes physiologisches Reaktionsmuster der Angst zu besitzen. Das Bestreben, Charakteristika der Furcht und Angst auf körperlicher Ebene zu beobachten, führt in die Neurophysiologie dieser emotionalen Vorgänge (Birbaumer & Schmid, 1996). Das offene motorische Verhalten (Psychomotorik) ist normalerweise auf die Abwehr und Beseitigung der Gefahr gerichtet. Das kann durch Flucht oder durch aktive Überwindung der Ursache geschehen. Oft zeigt sich dabei der Konflikt, welches Vorgehen man wählen soll. So entstehen mitunter komplizierte Vermeidungs- und Angriffsstrategien in Form von zwanghaften Ritualisierungen, unterwürfigem Verhalten oder unverhersagbaren Attacken. In der Mimik sind Furcht und Angst, falls sie hier überhaupt zum Ausdruck kommen und nicht bewußt verfälscht werden, gut zu erkennen. Die Augenbrauen sind hochgezogen, an der Stirn entstehen horizontale Falten. Die Augen sind dabei weit geöffnet, das Oberlid gehoben und das Unterlid horizontal gespannt. Der Mund ist meist offen, und die Lippen sind straff. Das Ausmaß, in dem die Mundwinkel zurückgezogen und die Lippen über die Zähne gespannt werden, gilt als sicherster Hinweis auf intensive Angst.

Entwicklung und Konsequenzen
Einen großen Bereich der Angstmessung nehmen Testuntersuchungen ein, bei denen die Wirkung der Angst auf Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis und Feinmotorik (Psychomotorik) geprüft wird. Dem Yerkes-Dodson-Gesetz entsprechend, zeigen die Ergebnisse eine umgekehrte U-förmige Beziehung zwischen Erregung und Leistung: Bei sehr niedriger und sehr hoher Erregung sind die Ergebnisse schlechter als bei mittleren Graden. Ein gewisses Maß an ängstlicher Anspannung ist also der Leistung förderlich. Es erhöht die Aufmerksamkeit, die dem Interesse entspricht, das für das Gelingen der Leistung erforderlich ist. Als typische Auslöser der Angst gelten unter bestimmten Bedingungen Dunkelheit, der Blick in einen Abgrund, aggressive Szenen, fremde Personen, manche Tiere sowie unbekannte Geräusche. Vor allem die Kombination solcher Ereignisse löst bei den meisten Menschen Angst aus. Es wird daher eine von der Evolution (Evolutionspsychologie) bedingte Bereitschaft, auf diese Reize mit Furcht zu reagieren, angenommen, derzufolge auch eine erbliche Variation für diese Neigung bestehen müsse (LeDoux, 1998).
Angst wird nicht generell vermieden. Bisweilen suchen Menschen sich ihr auszusetzen, so daß von Angst-Lust die Rede sein kann. Schauerromane, Gruselfilme, Geisterbahnen sind zur Unterhaltung da, und Berichte von Unfällen, Kriegsgreueln und Naturkatastrophen gehören zur alltäglichen Bild- und Zeitungsinformation, die mit neugieriger Anteilnahme aufgenommen wird. Auch die aberwitzigen Hasardspiele und Mutproben, bei denen die Lust, die Gefahr herauszufordern, der Zweck zu sein scheint, gehören zur Ambivalenz, die für den Gefühlskomplex Angst charakteristisch sein kann. Entwicklungspsychologische Untersuchungen (Entwicklungspsychologie) haben gezeigt, daß die Wirkung typischer Auslöser für Furcht und Angst von Entwicklung und Reifung abhängig ist. So tritt beispielsweise Angst vor fremden Personen meist erst zwischen dem sechsten und neunten Lebensmonat auf. Furcht vor Tieren und vor Dunkelheit wird gewöhnlich erst nach etwa anderthalb Lebensjahren beobachtet. Sobald Kinder über ihre Ängste Mitteilung machen können, werden Geschlechtsunterschiede (Geschlechterforschung) festgestellt. Mädchen berichten im allgemeinen über stärkere Ängste als Jungen. Allerdings beweisen diese Aussagen nicht, daß Mädchen auch wirklich mehr Angst empfinden als Jungen. Die Fragen, die bei solchen Untersuchungen gestellt werden, haben für die beiden Geschlechter unterschiedlichen Aufforderungscharakter und werden daher auch unterschiedlich beantwortet. Für einen Jungen ist es im allgemeinen schwieriger als für ein Mädchen, Angst zuzugeben. Die Verleugnung von Angst gehört eher zur sozialen Rolle der Jungen als zu der der Mädchen.

Klinik der Angst
Viele Ängste entstehen im Laufe des Lebens durch individuelle Lernprozesse, werden aber auch wieder durch Lernprozesse (Lernen) abgebaut. Die traditionelle Erklärung für einen solchen erfahrungsbedingten Einfluß auf die Angst ist die Konditionierung (Reiz-Reaktions-Lernen) und das instrumentelle Lernen von Abwehrreaktionen, wie es in der Zwei-Faktoren-Theorie formuliert wurde. Zuerst kommt es entweder zu einem starken traumatischen oder zu einer Vielzahl von subtraumatischen Ereignissen, die mit bestimmten Personen, Tieren oder situativen Bedingungen verbunden sind. Die Flucht- und Vermeidungsreaktionen, die auf diese angstauslösenden Ereignisse ausgebildet werden, reduzieren zwar die aktuelle Angst und schützen vor weiteren aversiven Stimulationen, können aber auch Lernprozesse zur dauerhaften Überwindung der Angst verhindern. Sowohl für die Entstehung von Angst als auch für ihre Überwindung spielt dabei neben der direkten Erfahrung das Lernen durch Beobachtung (Modell-Lernen), wie andere Personen sich verhalten, eine wichtige Rolle. Kinder von Eltern, die vor bestimmten Situationen starke Ängste zeigen, neigen dazu, diese Ängste ebenfalls zu entwickeln. Auch von der psychoanalytischen Angsttheorie (Psychoanalyse) werden verschiedene Phasen der Entstehung angenommen: Zuerst findet ein traumatisierendes Ereignis statt, darauf folgt die Bereitschaft zur Flucht und ihre Aktualisierung, die mit entsprechenden Risiken der Gefährdung verbunden ist, und schließlich kommt es zur Abwehr oder Bewältigung dieser Gefahren.
Zu den Angststörungen (s. Abbildung ) zählen in der klinischen Klassifikation Phobien, generalisierte Angststörungen, Panikattacken, Zwangsstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen (Psychotraumatologie). Die Merkmale dieser Störungen sind starke Angstgefühle in Verbindung mit der Meidung von Situationen, die diese Gefühle auslösen. Da die aktuelle Gefahr der Anlässe jedoch in keinem rechten Verhältnis zur Stärke der Angst steht, sind solche Ängste Gegenstand von Therapie (Psychotherapie).

Behandlung klinisch relevanter Ängste
Die Erkenntnis, daß genetische Dispositionen zwar für die Emotion Angst selbst und für bestimmte ihrer Auslöser bestehen, bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Überwindung der Angst jedoch Lernprozesse eine wichtige Rolle spielen, hat für die psychologische Behandlung der Angst entscheidende Bedeutung. Die Behandlung erfolgt heute vorwiegend mit Methoden, die in einer direkten oder vorgestellten Konfrontation (Konfrontationstherapie) mit den Auslösern der Angst unter optimalen Lernbedingungen zu ihrer Überwindung bestehen. Geübt werden körperliche Entspannung, ermutigende Selbstinstruktionen, Fähigkeiten zur Kommunikation und generelle Vorgehensweisen zur Lösung von Konflikten. Nicht die Angst als solche wird dabei als Störung aufgefaßt, sondern ihre starke Bindung an aktuell relativ harmlose Inhalte. Die generelle Reduktion oder Beseitigung der Angst mit Drogen und Medikamenten allein ist daher kein therapeutischer Weg (Sucht). Angstmindernde Stoffe wie Sedativa und Tranquilizer lösen keine psychologischen Probleme, die mit der Genese und Aufrechterhaltung von Angststörungen verbunden sind. Was die Frage nach sogenannten unbewußten Angstgefühlen betrifft, so ist nicht das Gefühl als solches unbewußt, sondern bestimmte Gefühlsmerkmale oder die Beweggründe der Gefühle sind es, die unbewußt sein können. Die Beobachtungen der Angst am Einzelfall spiegeln die großen kollektiven Ängste der Geschichte wider, und es ist daher aufschlußreich, Querverbindungen von der Psychologie der Angst zur Geschichte der kollektiven Ängste unter politischen und wirtschaftlichen Bedingungen herzustellen (Delumeau, 1985). Angst ist, wie das Streben nach Sicherheit, für das menschliche Leben kennzeichnend. Sie ist mit der Gefahr und der Sterblichkeit des Menschen unabdingbar gegeben.

Literatur
Birbaumer, N. & Schmidt, R. F. (1996). Biologische Psychologie (3. Aufl.). Heidelberg: Springer.
Comer, R. J. (1995). Klinische Psychologie. Heidelberg: Spektrum.
Delumeau, J. (1985). Angst im Abendland. Die Geschichte kollektiver Ängste in Europa des 14. bis 18. Jahrhunderts (Bd. 1 und 2). Hamburg: Rowohlt.
Izard, C. E. (1981). Die Emotionen des Menschen. Weinheim: Beltz.
LeDoux, J. (1998). Das Netz der Gefühle. München: Carl Hanser.



Abb. Angst: Epidemiologisches Profil der Angststörungen.

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